Tasting der Schweiz

By in Weiß on 26. März 2014

Über die Schweiz liest und hört man immer viel in den Medien. Für viele ist es ein Wort mit Reizcharackter. Egal ob sie da gewesen sind oder nicht, jeder hat eine Meinung über den vermeintlichen Ausländerhass der Schweizer und die Liebe für ausländisches Geld ihrer Banken. Der Wein aus der Schweiz bringt niemanden richtig in Wallung. Wer kennt schon die Tropfen aus dem Tessin oder vom Genfer See?

Ich kannte sie nicht. Seit kurzem bin ich etwas schlauer. In Düsseldorf lud das Weinland Schweiz zu einem Tasting ein, organisiert vom Kölner Unternehmen Sommelier Consult.

Ein Tasting ist, um mal mit der Modewelt zu sprechen, wie eine Modeschau, ein Treffen von Schneidern, die ihre Stoffe und Anzüge zeigen. Neugierige dürfen dann den Stoff anfassen, spüren, die Textur erfahren und schließlich den Schneider fragen: Wo kann ich diesen Anzug kaufen?

Die Schweiz also. Ich habe mich sofort bei einem einstündigen Seminar über das Tessin angemeldet, doch davor wollte ich einfach mal die Region mit ihren Weinen auf mich wirken lassen. Die Hauptrebe: Merlot. Die Lieblingsrebe der Önologen. Im Tessin treffen sich alpines mit dem subtropischen Klima aus der Poebene. Das Wetter ist eher feucht als sonnig, der Merlot wurde Anfang des 20. Jahrhunderts allerdings angebaut, damit die Winzer dort was einheitliches auf dem Markt bringen konnten, wie der Winzer Christian Zündel später im Seminar erklärt.

Als ich am Stand vom Weingut Tamborini war, durfte ich mich durch sämtliche Weine probieren, die das Weingut mitgebracht hatten. “Nur das beste unserer Flaschen” wie der Winzer erklärte. Tatsächlich haben mir der SanZeno Riserva 2011 besser gefallen als der kleine Bruder Terre de Gudo. Letzteren fand ich noch zu säurehaltig. Raffinesse und komplexe Struktur waren hingegen beim Sanzeno vorhanden. Lecker. Die Sanzeno-Reihe dürfte nicht billig sein. Tamborini füllt jedes Jahr ungefähr 700.000 Flaschen ab, vom Sanzeno gibt es gerade 2500. Qualität zeichnet auch aus –  mit diesem Wein wurde Tamborini Schweizer Winzer des Jahres 2012.

Später beim Seminar lernte ich dann den Wein kennen, der mich besonders beeindruckt hat. Ich trank von Christian Zündels Dosso 2011, ein Chardonnay. Eigentlich mache ich um diese weiße Traube immer einen Bogen – zu viele schlechte Erfahrungen habe ich da schon gemacht.

Zündel deutete an, dass er mit der Idee, Chardonnay im Tessin anzubauen, nicht überall auf Liebe trifft. Da möchte jemand aus der Merlot-Reihe tanzen, soll der ein oder andere Nachbar argwöhnen. Spätestens jetzt hatte Zündel nicht nur meine ungeteilte Aufmerksamkeit, sondern mein uneingeschränkte Sympathie.

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Sein Dosso (auf deutsch Rücken, Rückrat) hat mir wegen des Geschmacks zugetan. Ausgebaut wird er teilweise in alten Holzfäsern und Betonei. Ich habe noch die Worte der Sommelière Christina Hilker im Ohr, die das Seminar moderierte. Sie sagte: Salzige Noten im Mund. Ich habe dann vergessen, die wichtigste aller Fragen zu stellen: Herr Zündel, wo kann ich diesen Wein kaufen?

One thought on “Tasting der Schweiz

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    Vielen Dank für diesen guten Text! Schweizer Weine sind im Ausland so gut wie unbekannt, obwohl das Land viele Spezialitäten hat und einige sehr gute Weine. Es liegt wahrscheinlich daran, dass die Weine durch das hohe Preisniveau in der Schweiz im Ausland relativ teuer sind. Ein anderen Grund der mir einfällt sind natürlich auch die Konkurrenz aus den zwei grossen Weinländer Frankreich und Italien. LG

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